Teamkultur: Was uns als Team ausmacht

What do juTHINK?

Ausgabe 3_2026

Nur rund 10 % der Beschäftigten in Deutschland sind emotional stark an ihr Unternehmen gebunden. Das zeigt der aktuelle Gallup Engagement Index. 77 % haben eine geringe Bindung und 13 % fühlen sich ihrem Arbeitgeber gar nicht verbunden.

Damit liegt die emotionale Mitarbeiterbindung immer noch auf einem der niedrigsten Werte seit Beginn der Studie.

Eine solche Bindung entsteht nicht zufällig, sondern durch Aspekte wie klare Rollen, gute Zusammenarbeit, Orientierung durch Führung und Beteiligung im Alltag.

Genau hier zeigt sich, was Organisationskultur bedeutet. Diese umfasst ebenso die geteilten Werte, Normen, Einstellungen und Überzeugungen, die das Denken und Handeln innerhalb eines Unternehmens prägen. Ein starkes Team entsteht somit auch durch das Miteinander und durch das, was zwischen den eigentlichen To-dos passiert.

Bei jucreation arbeiten wir komplett remote. Keine spontanen Begegnungen auf dem Flur und trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) haben wir Wege gefunden, als Team gut zu funktionieren.

1.  Flexibilität braucht einen Rahmen

Ja, bei uns ist es völlig normal, dass:

  • jemand in der Mittagspause ins Gym geht,

  • mal vom Sofa gearbeitet wird

  • oder auch aus einem anderen Land.

Aber das funktioniert nicht losgelöst von der Arbeit, sondern im Einklang mit ihr. Wir arbeiten im Projektgeschäft. Das heißt, es gibt Phasen mit mehr Abstimmung, Kundentermine und Deadlines, die eingehalten werden müssen sowie Tage, an denen Fokus wichtig ist. Und trotzdem gibt es genug Freiräume, in denen genau diese Dinge Teil des Alltags sind.

Wir haben feste Ankerpunkte, die so eine Mischung aus Struktur und Flexibilität ergeben:

  • Daily —> Updates und Informelles

  • Wöchentliches Teammeeting —> To do’s und Projekte, Auslastung sowie interne Themen und Akquise

  • Quartalsweise Retrospektive —> Reflexion, Zielabstimmung sowie Budgetupdate

  • Projektpläne/Termine und Deadlines —> fix

  • Tools und Ordnerstruktur —> Dokumentation und Wissensmanagement

Dies schafft den Rahmen und ermöglicht, dass sich ein Großteil des Arbeitsalltags flexibel und individuell gestalten lässt u. a. durch selbst gewählte Arbeitszeiten und Priorisierung, Ortsunabhängigkeit sowie Raum für persönliche Bedürfnisse und Stärken.

Unser Learning: Flexibilität bedeutet auch, die Anforderungen des Projektgeschäfts bewusst anzunehmen und Strukturen zu schaffen, in denen individuelle Freiheit möglich wird.

2. Remote funktioniert durch Klarheit und Vertrauen

Viele denken, remote Arbeit macht Teams distanzierter. Unsere Erfahrung ist das Gegenteil. Warum es bei uns funktioniert:

  • Klare Verantwortlichkeiten

  • Vertrauen und transparente Erwartungshaltungen

  • Regelmäßiger Austausch

  • Transparente Ziele

Der Grund, warum remote und Freiräume bei uns gelingen, ist, dass jeder weiß, was im eigenen Verantwortungsbereich liegt. Uns hat dafür die Methode der Rollen-Canvas geholfen.

Außerdem braucht es gegenseitiges Vertrauen und das entsteht nicht von allein. Es wird durch Führung vorgelebt, aber auch im Team selbst durch gegenseitige Zuarbeit und das Bewusstsein, dass man sich aufeinander verlassen kann, gelebt. Wenn ihr mehr zum Thema Vertrauen erfahren wollt, dann geht’s hier zu unserem kostenlosen Whitepaper: Zum Download

Ebenso ist die Kommunikation wichtig. Für uns bedeutet das, Updates aktiv zu kommunizieren, Gedanken auszusprechen, regelmäßiges Feedback, transparente Entscheidungen und jeder darf bzw. soll seine Perspektive einbringen. Weiterhin schaffen wir durch gemeinsam definierte Ziele Orientierung, sodass klar ist, worauf wir hinarbeiten und wie jede Person dazu beiträgt.

Unser Learning: Flexibles Arbeiten scheitert selten an den Mitarbeitenden, sondern an fehlender Klarheit und Micromanagement. Definiert für euch: Was bedeutet „erreichbar sein“? Wie schnell sollte man reagieren? Wann ist Fokuszeit okay?

3. Es ist möglich den Flur zu ersetzen

Weil wir eben nicht im gleichen Büro sitzen, haben wir unseren eigenen „virtuellen Treffpunkt“ und zwar unser Daily (15–30 Minuten, jeden Tag). Dieses ist nicht nur ein Status-Update, sondern ein kurzer persönlicher Check-in. Wir sind keine Maschinen. Jeder hat Aspekte, die einen privat beschäftigen. Deshalb ist bei uns völlig normal kurz zu erzählen, wie es einem geht, auch private Themen zu teilen (wenn man möchte) und Verständnis füreinander zu haben, wenn mal nicht alles rund läuft.

Und trotzdem merken wir, dass persönliche Treffen und gemeinsame Erlebnisse über den Arbeitsalltag hinaus wichtig sind. Auch wenn virtuell viel sehr gut funktioniert, entstehen Vertrauen, Dynamik und Zusammenhalt oft nochmal auf eine andere Weise, wenn man sich vor Ort begegnet.

Gleichzeitig gibt es Teams und Unternehmen, die weniger persönlichen Austausch brauchen und keine Details aus dem Privatleben teilen. Es gibt hier kein eindeutiges richtig oder falsch, denn jede Form der Zusammenarbeit hat ihre Gründe und einen jeweiligen Kontext. Für uns hat sich jedoch gezeigt, dass es wichtig ist, zumindest einen Teil der persönlichen Ebene zu teilen. Schließlich arbeiten Menschen zusammen, mit Gedanken, Emotionen und unterschiedlichen Lebensrealitäten. Genau das schafft Verständnis füreinander.

Unser Learning: Es muss kein „entweder oder“ sein, sondern ein Mix. Denn Teams bestehen nicht nur aus fachlichen Rollen, sondern aus vielfältigen Persönlichkeiten.

4. Unterschiedliche Stärken brauchen unterschiedliche Arbeitsweisen

Nicht jeder arbeitet gleich und das ist gut so. Manche brauchen feste Routinen und Abläufe, andere arbeiten am besten flexibel. Einige sind morgens produktiv, andere später. Die einen sind kreativ unterwegs, andere lieben Zahlen, Daten und Fakten.

Deshalb wäre es widersprüchlich, alle in ein Arbeitsmodell und die gleichen Aufgaben zu pressen. Umso wichtiger ist ein gegenseitiges Bewusstsein für diese Unterschiede sowie ein offener Austausch darüber. Und auch wenn natürlich nicht jede Aufgabe gleichermaßen Spaß macht, hat jede:r die Möglichkeit, eigene Interessen und Stärken einzubringen. Genau das funktioniert bei uns im Team richtig gut. Dazu gehört auch, sich zu trauen, zuzugeben, dass einem Aufgaben schwerfallen und aktiv um Hilfe zu bitten. Dies sollte nicht als Schwäche, sondern als Teil guter Zusammenarbeit gesehen werden. Darüber hinaus ist ein wesentlicher Faktor die Auslastung. Diese machen wir im Teammeeting transparent und können uns so bei Bedarf unterstützen oder auch Aufgaben umverteilen.

Unser Learning: Unterschiedliche Arbeitsweisen und Zeiten sind kein Hindernis. Es ist wertvoll sich gegenseitig zu ergänzen. Trotz dessen braucht es Kommunikation und ein Verständnis füreinander.

5. Gemeinsame Lösungsfindung und Fehlerkultur leben

So unterschiedlich wir arbeiten, so wichtig ist es gleichzeitig, als Team zusammenzustehen. Wir unterstützen uns gegenseitig, hören einander zu und finden gemeinsam Lösungen. Oft reicht schon ein kurzes Brainstorming mit den anderen, wenn jemand mal auf dem Schlauch steht, um wieder neue Perspektiven zu bekommen. Herausforderungen gehören zu jedem Projekt und Arbeitsalltag dazu. Der Unterschied liegt darin, wie man mit ihnen umgeht.

Bei uns gilt, dass wir nicht versuchen, Schuldige zu finden oder uns im „Was wäre wenn“ zu verlieren. Stattdessen fragen wir: „Wie lösen wir das jetzt bestmöglich?“

Psychologische Sicherheit spielt dabei eine große Rolle, genauso wie Raum für informellen Austausch und gemeinsame Erlebnisse abseits des Tagesgeschäfts. Denn nur in einem Umfeld, in dem man sich sicher fühlt, trauen sich Personen auch, neue Dinge auszuprobieren, Verantwortung zu übernehmen oder ungewohnte Wege zu gehen, ohne Angst, direkt bewertet zu werden.

Unser Learning: Schafft eine Kultur, in der ihr gemeinsam Lösungen findet und Neues ausprobiert sowie Fehler nicht bestraft, sondern als Wachstumspotenzial nutzt.

Fazit: Kein Team ist perfekt, aber es kann stetig wachsen.

Auch bei uns gibt es stressige Phasen, Missverständnisse oder Momente, in denen nicht alles reibungslos läuft. Der Unterschied ist nicht, ob diese Situationen entstehen, sondern wie man damit umgeht. Wir reflektieren regelmäßig, passen Dinge an und entwickeln uns als Team weiter. Genau das schätzen wir!


Quellen:

  • Gallup. (2026). Gallup Engagement Index Deutschland 2025. Gallup GmbH.

  • Schreyögg, G., & Geiger, D. (2016). Organisation: Grundlagen moderner Organisationsgestaltung. Mit Fallstudien (6., vollständig überarbeitete u. erweiterte Aufl.). Springer Gabler. https://doi.org/10.1007/978-3-8349-4485-6


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juTHINK ist unsere Antwort auf die sich ständig wandelnden Herausforderungen und Chancen im Bereich HR und Organisationsentwicklung. In jeder Ausgabe von juTHINK wählen wir ein Thema aus, das aktuell und relevant für HR-Professionals und Führungskräfte ist. Unser Fokus liegt dabei auf einer Mischung aus Leichtigkeit und Informationsgehalt – wir bringen Ihnen die neuesten Trends und Entwicklungen näher. Ob es um neue Ansätze in der Mitarbeitendenführung, um die Gestaltung flexibler Arbeitsmodelle oder um die Einführung digitaler Tools geht – juTHINK ist Ihre Quelle für frische Ideen und praktische Lösungen, die Ihnen helfen, in der neuen Arbeitswelt auf dem Laufenden zu bleiben.

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